Manipulation der HWS - akute Schlaganfallgefahr!



Manipulation der HWS - akute Schlaganfallgefahr!
Physiotherapie
8 Kommentare


Manipulation der HWS - akute Schlaganfallgefahr!

In der britischen Medizinzeitschrift 'British Medical Journal' gaben Akademiker bekannt, dass Behandlungen an der Wirbelsäule nicht unbedingt zur Linderung von Nackenschmerzen und Verkrampfungen dienen und gegebenenfalls weit aus schlimmere Folgen haben könnten. Den Physiotherapeuten, den Osteopathen und den Chiropraktikern wird daher empfohlen diesen Therapieweg zu verlassen, da er beim Patienten zu Schlaganfällen führen könnte.

Dieser Ansicht ist auch ein Dozent der Brunel University, welche auf Forschung und Rehabilation spezialisiert ist und er wird dabei von weiteren Dozenten der Universitäten Warwick und Notre Dame in Australien untersützt. Ein Physiotherapeut kritisiert sogar seine Kollegen, welche die Wirbelsäulenbehandlung vorziehen, dahin gehend, dass er den Hinweis auf die möglichen Nebenwirkungen dieser Technik als Grund für die Aufgabe dieser Technik sieht. Zu dem wurde im Rahmen einer Cochrane-Überprüfung festgestellt, dass eine kausale Verbindung zwischen der bezeichneten Behandlung und Schlaganfällen besteht. Weiterhin zeigte sich, dass einzelne Behandlungen nur kurzfristig den Schmerz lindern und die Nackenschmerzen verbessern. Auf lange Sicht konnte schließlich kein Nutzen der Wirbelsäulenbehandlung für Nackenschmerzen erkannt werden.

Der Grund für einen Schlaganfall verdeutlicht, warum eine Wirbelsäulenbehandlung nicht ratsam ist. Durchblutungsstörungen, beispielsweise in der Form von Minderdurchblutungen, führen dazu, dass die Nervenzellen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff und anderen Substraten versorgt werden und enden schließlich in einem Schlaganfall. Wenn man sich nun dessen bewusst ist, dass die Wirbelsäulenbehandlung auf Arterien drücken könnte und schließlich die Hauptschlagader oder die Arteria basilaris, welche das Gehirn mit Sauerstoff versorgt, betroffen sein könnten, wird hoffentlich deutlich, dass ein gewisses Risiko nicht auszuschließen ist.

Den genannten Vorwürfen und Folgen einer Wirbelsäulenbehandlung entgegnete ein kanadischer Professor, dass wiederum andere Qualitätsbeweise bestehen, die eine kausale Verbindung verneinen. Seiner Ansicht nach sollte diese Technik weiterhin eine Option für Therapeuten sein. Von anderer Seite kam jedoch wiederum der Einwand, aus welchem Grund man eine Behandlungsmethode verwenden sollte, bei der es gute Gründe gibt, dass etwaige Gefahren nicht so einfach von der Hand zu weisen sind. Außerdem würde man auf Unverständnis und Unmut treffen, wenn statt vorhandener alternativer und risikofreier Behandlungen, eine Technik mit schwerwiegenden Folgen angewendet würde. Die medizinischen Berufe sollten das Vertrauen und die Sicherheit des Patienten als oberste Priorität ansehen. Nicht nur der Ausführende, sondern insbesondere auch der jeweilige Berufsverband, wie auch die Chartered Society of Physiotherapy, welcher mit Ausbildung- und Weiterbildungsmöglichkeiten in diese Richtung hinwirken sollten, steht in der Pflicht.

Ein Anfang wäre beispielsweise die Empfehlung, dass Wirbelsäulenbehandlung bei Hals- und Nackenschmerzen nicht als erster Behandlungsweg herangezogen wird. Darüber hinaus könnte in Betracht gezogen werden, eine Liste derer zu erstellen, welche im Rahmen einer solchen Behandlung profitieren und welche nicht. Insbesondere das Verfassen von Leitlinien in Hinblick auf das jeweilige Risiko für den einzelnen Patienten könnte hilfreich sein. Abschließend ist vonseiten der Charterd Society of Physiotherapie festzuhalten, dass keinesfalls ein Verbot im Hinblick auf die Behandlungstechnik ergehen soll. Vielmehr wolle man sensibilisieren und auf etwaige Risiken für den einzelnen Patienten aufmerksam machen.

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Meine Meinung

ciff75 bei Physiowissen
Kommentar von ciff75
18.07.2012 12:54

wenn man eine sorgfältige Untersuchung macht, und es schafft das Problem zu differenzieren, stellt sich heraus das es nicht viele Indikationen für eine Manipulation gibt.
es gibt viele Manipulationstechniken für die HWS, welche werden hier eigentlich angesprochen?? alle? nur welche für die Kopfgelenke? ist Manipulation an C7 genauso gefährlich wie bei C0? ...es bleiben viel zu viele Fragen offen um pauschal Empfehlungen auszusprechen, wie man besser therapieren sollte.....
c.s.
stephan bei Physiowissen
Kommentar von stephan
18.07.2012 12:56

Ich denke der Text soll in Erster Linie darauf hinweisen, dass eine Manipulation der letzte Weg ist und nicht wild drauflos geknackt werden sollte.
Nichts muss so sein, nur weil es immer so gewesen ist
sikahirschkuh bei Physiowissen
Kommentar von sikahirschkuh
18.07.2012 14:13

Abgesehen von dem Risiko,welche eine Manipulation an der HWS darstellt,wird dadurch möglicherweise die Ursache,die zu einer Blockierung (wenn es denn eine Blockierung ist!)noch verstärkt.
Sehr oft sind die Kopfgelenke und die oberen HWS-Gelenke zu fest und unbeweglich und als Kompensation auf diesen Mangel an Beweglichkeit die mittleren HWS-Gelenke hypermobil.
Manipulationen würden die Hypermobilität verstärken-vielleicht nicht eine einzige,aber auf jeden Fall bei mehrfacher Anwendung.
Somit würde das ursprüngliche Problem noch verstärkt werden.
Es gibt etliche gute manualtherapeutische Weichteiltechniken zum Lösen von Wirbelblockierungen. Diesen sollte fast immer die muskuläre Stabilisation der HWS-besser noch der gesamten WS folgen,weil dadurch die Ursache behandelt wird.
ciff75 bei Physiowissen
Kommentar von ciff75
18.07.2012 17:40

auf die Theorie, das eine Hypomobilität eine Hypermobilität in einem benachbartem Gelenk zur Folge haben kann stützen sich viele Physiotherapeuten. Sie ist ja auch in gewisser Weise logisch. Allerdings ist das nie wirklich bewiesen worden, und die evidenz dafür ist sehr gering! also ist es eine Theorie, die ich patientenabhängig beweisen muss.
Ebenso ist es mit wiederholten Manipulationen. das Gewebe hat zu wenig Zeit auf so einen kurzen Impuls mit einer strukturellen Veränderung zu reagieren wodurch das Segment instabil werden könnte. also auch reine Theorie, die nicht bewiesen ist.
ich geb euch natürlich Recht, das das nicht in Ordnung ist, wenn ein Physio wild drauflos knack. Aber das hat auch nichts mit Manipulation zu tun.
ebenso ist es falsch wenn ein Physio einfach drauflos massiert.....in beiden Fällen weiß er dann gar nicht was er therapieren will.
c.s.
truethahn bei Physiowissen
Kommentar von truethahn
30.11.2012 22:29

außer an den extremitäten dürfen physios an der WS doch gar nicht manipulieren! und an der HWS gleich gar nicht. um ehrlich zu sein, würde mir da auch was fehlen, käme ich auf die idee, an der HWS zu manipulieren. es gibt viele gute manualtherapeutische mobilisationstechniken.
[mortjuri - emotional blackened metal]
zeidlersarah bei Physiowissen
Kommentar von zeidlersarah
02.01.2014 14:54

Ich finde es schwierig darüber zu urteilen ob wirklich unsere behandlung daran schuld ist ob die Leute einen Schlaganfall bekommen oder nicht
bbgphysio bei Physiowissen
Kommentar von bbgphysio
05.08.2014 19:21

Meiner Meinung ist das völliger quatsch was da oben steht. Es wird ja nicht nur auf die Manipulationen der HWS hingewiesen, sondern jegliche Form der Behandlung an der WS, also lösen von Blockaden wird verteufelt. Manchmal muss man Blockaden lösen. Ohne diesen Schritt werden die Beschwerden eben nicht besser. In jeder MT Ausbildung lernt man vernünftig Blockaden zu lösen, es muss ja nicht immer die Manipulation an der HWS sein. Es gibt viele Wege. Noch nie hab Ich gehört daß es zu nem Schlaganfall gekommen ist wenn man die HWS mobilisiert hat
smitty50 bei Physiowissen
Kommentar von smitty50
09.05.2015 13:50

Auf keinen Fall Manipulationen ohne Röntgen-Bild der HWS. Patienten über 50 sollten nicht an der HWS manipuliert werden, Risiko zu hoch!

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