Studie: progressive Ataxie

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Physiotherapie 27.11.2009

Studie: progressive Ataxie

Gute Nachrichten für Ataxiepatienten. Die Uni Tübingen konnte erstmals die Wirksamkeit von Physiotherapie bei Ataxien im Erkrankungsfeld degenerative Kleinhirnerkrankungen nachweisen. Getestet wurde, ob motorische Leistungsfähigkeit im Bezug auf Gleichgewicht und Körperkoordination im Alltag verbesserbar ist.

Cerebelläre Störungen wirken sich maßgeblich auf alle Bewegungen des Körpers aus, da es Bewegungsplanung sowie Erlernen neuer Bewegungen steuert und überwacht. Schädigungen (egal ob genetisch, tumorös, entzündlich oder Schlaganfallbedingt) bewirken, dass vorgegebene Bewegungsabläufe nicht mehr exakt mit Informationen aus der Peripherie sowie des Gleichgewichtsorgans über deren Ausführung verglichen werden können. Man spricht vom Symptom der Ataxie.


Problematisch zeigt sich das Krankheitsbild der degenerativen Kleihirnschädigungen, da der Funktionsverlust gefolgt vom Absterben von Nervenzellen im Kleinhirn gleichzeitig zu drastischen Einschnitten beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe führt. Sowohl Ärzte als auch Therapeuten waren skeptisch, ob man diesem Abbau durch Training entgegen wirken kann. Sollte die Studie also zeigen, dass durch Physiotherapie kein wirksames Mittel darstellt, wäre dies sowohl Ernüchterung für die betroffenen Patienten als auch ein Stück Ohnmacht für die Therapeuten.

Die Studie umfasste 16 Patienten mit progressiver Ataxie in Folge degenerativer Kleinhirnschädigung, die über 4 Wochen hinweg trainiert sowie von Neurologen kontrolliert.

Die Ergebnisse wurden durch folgende drei Methoden dokumentiert: 1)Bewertung anhand einer Ataxieskala durch Neurologen 2)Computergestützte Bewegungsanalyse von Gang und Gleichgewicht 3)Beurteilung der Auswirkungen auf den Alltag durch die Patienten

Darüber hinaus wurde die Effektivität auf mittelfristige Sicht durch Kontrolle 8 Wochen vor bzw. nach der Trainingszeit getestet.

Ergebnisse

Es konnten signifikante Verbesserungen mittels aller drei Dokumentationswege erreicht und dokumentiert werden. Darüber hinaus war es durch die technische Bewegungs- und Ganganalyse möglich nachzuweisen, dass die Verbesserungen nicht auf kardiopulmonales Training sondern auf tatsächliche Besserung der Gleichgewichtskontrolle und der Koordination von Bewegungen basieren.

Eine wichtige Erkenntnis brachten auch die Nachuntersuchungen. So zeigte sich, dass der Therapieeffekt deutlich maßgeblicher und langanhaltender gesteigert werden konnte, sofern die Patienten das Training zu hause fortführten.

An der Studie nahmen Wissenschaftler aus den Bereichen Motorik und Neurologie sowie Physiotherapeutinnen des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH), des Centrums für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und des Universitätsklinikums Tübingen teil.



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