Lange Zeit haben sie gekämpft, letzten Monat gewannen sie den Prozess: Physiotherapeuten in England dürfen Rezepte für Arzneimittel ausschreiben. Naja, noch nicht ganz, aber fast. Der Prozess ist erst mal gewonnen, jetzt ist es noch Aufgabe der Regierung die entsprechenden Gesetze zu entwerfen und die Physiotherapeuten, nach einem entsprechenden Zusatz Lehrgang, zu berechtigen Rezepte auszustellen.
Aber was bedeutet dies für die Patienten in England? Zum einen ist es eine Entlastung für die Patienten. Wer z.B. ein Schmerzmittel oder eine Muskelrelaxanz braucht kann das benötigte Rezept direkt bekommen und muss nicht noch einmal extra seinen Arzt aufsuchen. Dem Patienten wird so eine Menge Weg erspart. Auf der anderen Seite bedeutet dies auch, dass andere Medikamente, z.B. gegen Asthma, neurologische Erkrankungen und, und, und ausgestellt werden dürfen. Dies erfordert eine Menge Wissen von den Physiotherapeuten und Kontrolluntersuchungen müssen ja auch noch durchgeführt werden.
Auch in Deutschland kämpfen Physiotherapeuten um Rezepte. Allerdings handelt es sich nicht um Rezepte für Medikamente, sondern alleine schon um das Rezept um überhaupt zum Physiotherapeuten gehen zu können. Ärzte üben in Deutschland einen Heilberuf aus, der sie berechtigt Diagnosen zu stellen und Rezepte auszustellen. Der Physiotherapeut ist ein Heilhilfsberuf, der auf Anweisung durch einen Heilberuf, arbeiten darf. Und genau hier liegt der Haken. Der Wunsch vieler deutscher Therapeuten ist die Ausstellung einer Legitimation durch das Gesundheitsamt zum "eingeschränkten Heilpraktiker für Physiotherapie". Dies würde bedeuten, dass man weder ein Rezept für die Behandlung, noch für die Weiterbehandlung bräuchte. Diese Aufwertung des Berufsbildes ist im Ausland, wie zum Beispiel England, längst vollzogen worden. Wie aber soll eine Prüfung für eine Zulassung zum "eingeschränkten Heilpraktiker für Physiotherapie" aussehen? Für die Erstellung der Diagnose und zur Überprüfung der Differenzialdiagnose ist ein vielfältiges Wissen aus verschiedenen Bereichen notwendig. Nehmen wir als Beispiel das Wirbelsäulensyndrom, was differenzialdiagnostisch ein metastasierender Wirbelsäulentumor ist. Eine Physiotherapie ist hier nicht das Mittel der Wahl, sondern eher kontraindiziert. Auch Infektionskrankheiten können nach ihrem abklingen, Beschwerden hervorrufen, die nur scheinbar durch Physiotherapie zu lösen sind.
Und dies sind nur zwei Beispiele für die Herausforderungen, die auf einen Physiotherapeuten zukommen, der eine eingeschränkte Heilpraktiker Zulassung anstrebt. Die Herausforderung an die Gesundheitsämter ist ebenfalls groß und die Unterschiede in den Bundesländern wie mit dieser Genehmigung umgegangen wird noch größer. Durch das Fehlen einer einheitlichen Prüfung kommt es zu unterschiedlichsten Ergebnissen. Während es in NRW zu relativ vielen Genehmigungen kommt, ist es in Bayern und Niedersachsen fast unmöglich eine Zulassung zu erhalten. Eine einheitliche Prüfung und Zulassung in Deutschland würde das ganze auf einen Nenner bringen, und bevor dies nicht geschehen ist, erübrigt sich hierzulande jede Diskussion um eine weitere Aufwertung des Berufes durch die Berechtigung der Ausstellung von Rezepten für Medikamente.
Seit einiger Zeit ist Kinesio Taping nicht mehr ausschließlich im Profi-Sport zu finden, sondern es wird auch verstärkt im Alltag eingesetzt, um Verletzungen zu verhindern oder Gelenke zu entlasten. Seltsamerweise konnte bisher noch keine wissenschaftliche Studie die Wirksamkeit dieser Tapes nachweisen, doch berichten Patienten von hervorragenden Erfolgen.
Arzneimittel werden zu Haufen produziert. Rund 633 Millionen Verpackungen wurden im letzten Jahr 2012 von Ärzten über die gesetzlichen Krankenkasse verschrieben. Damit haben knapp 70 Millionen Versicherte ein Rezept bekommen. Doch es kommt noch besser, unter den zugelassenden Arzneimitteln sind allein schon 37,9 Millionen für Tagesdosen an den Erkankten oder Arzneimittelkonsument gegangen - rund 1,5 Arzneimittel am Tag!
Immer mehr Bundesbürger nutzen die Angebote aus dem zweiten Gesundheitsmarkt, wie frei verkäufliche Medikamente, freiwillige Leistungen beim Arzt, alternative Medizin sowie Wellness- und Fitnessangebote. So belaufen sich die Ausgaben für privat finanzierte gesundheitsfördernde Produkte und Dienstleistungen mittlerweile auf 60 Milliarden Euro. Diese zunehmende Nachfrage sorgt dafür, dass verstärkt Arbeitskräfte benötigt werden, die sich professionell um die Organisation und das Management dieser Dienstleistungen kümmern.
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