Letzte Woche erfuhr ich übers Radio, dass sich in einer Praxis im Nachbarort ein derartiges Therapiegerät befindet. Unproblematisch durfte ich in der Praxis E. Schulze in Marienberg einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten des Gerätes nehmen. Stolz führt mich Herr Schultze zum einzigen Gerät in Sachsen, das sich außerhalb eines Kurzentrums befindet.
Bereits der erste Eindruck ist überwältigend. Der kleinste Ring ist bereits an die 2,5m im Durchmesser. Mit einem etwas komischen Gefühl stelle ich mich auf die Fußrasten, da ich irgendwie im Hinterkopf das Bild eines Rhön-Rades hab. Aber weit gefehlt. Die Ringe lassen sich einzeln lösen und entsprechend dosiert lässt sich der Therapiewert steigern. Etwas verwundert bin ich, dass die Polster an Bauch und Rücken einen Abstand halten – irgendwie steh ich jetzt also nur mit den Füßen befestigt in einem Gerät von dem ich nicht viel weiß.
.. click .. der Erste Ring ist frei und langsam aber sicher neige ich mich nach vorn, bis ich schließlich die Hände zur Sicherung ans Gerät nehme. Doch unnötig! Der Ring gibt durch den niedrigen Schwerpunkt eine maximale Neigung von ca. 45° frei – dann ist Schluss.
In dem Moment wird mir absolut klar, worin die wahre Kunst besteht. Nicht, das Gerät zu bewegen, sondern es auzubalancieren. Wahnsinn; mit etwas Mühe bekomme ich den Ring unter Kontrolle bis ich schließlich aufrecht ohne Bewegung stehe. Hinzu kommt nun der zweite Ring. Ich habe mich etwas auf die Technik der Verriegelung konzentriert, sodass ich sofort erstmal etwas durch den Raum „baumele“. Nach kurzer Gewöhnung scheint mir das Gerät zu gehorchen und es fängt an das zu tun, was ich will. Kreise, Ellipsen oder Achten kann ich mit meinen Beinen auf dem Boden zeichnen. Und dann die „Königsdisziplin“ der 3. Ring. Schlagartig gehen alle Bewegungen noch viel einfacher und jede noch so kleine Gewichtsverlagerung versetzt mich in Bewegung.
Mit jeder Bewegung merke ich, wie sich mein ganzer Körper weiter anspannt. Ohne dass ich mich darauf konzentrieren musste bemerke ich, dass sich mein Fuß auf den optimalen Belastungspunkten verspannt und sich der Zug über den Rücken bis zum Kopf fortsetzt. Schlagartig gehen mir Krankheitsbilder und Indikationen durch den Kopf – Kreuzband, Rückenkräftigung, Fußsenkung, Hemiplegie, Ataxie …
Begeistert kann ich gar nicht mehr aufhören Ideen zu entwickeln, was man alles Testen könnte. Augen zu, Augen auf, mutwilliges Auslenken, Gewichtsverlagerung, feste Winkel halten usw .. schier unendlich.
Herr Schulze gibt mir noch weitere Anregungen. Durch Therabänder kann man mutwillige Auslenkungen provozieren oder durch Gewichte und Einstellungen den Schwerpunkt manipulieren.
Nachdem die Ringe alle wieder fest gesichert sind steige ich begeistert wieder herab. Meine Füße fühlen sich an, als wären sie am Boden festgewachsen. Mein ganzer Körper steht wie ein Fels auf dem Boden und offensichtlich nichts kann mich von da wegbewegen. Noch Minuten später habe ich den Eindruck, dass sich der Boden unter mir leicht bewegt und meine Fußmuskeln kleine Korrekturen machen, aber ich stehe stabil und gerade.
Ein riesen Dankeschön an die Praxis Schulze in Marienberg, die sich sehr viel Zeit genommen haben um mir diesen Einblick zu ermöglichen :)
Mfg
Stephan
Nichts muss für immer so sein, nur weil es immer so gewesen ist.
