Krebs ist ein Mythos, nicht zuletzt deshalb, weil die Krankheit als Schicksal empfunden wird, und weil statistisch gesehen 20 Prozent der Menschen an Krebs erkranken. Krebs ist schwer fassbar, weil es sich nicht um eine einheitliche Erkrankung handelt, sondern jeder Krebs anders ist. Es gibt rund 230 bekannte Tumorarten. Manche sind gut heilbar, andere nahezu unheilbar, und hin und wieder lassen Spontanheilungen aufhorchen.
Andererseits gehört Krebs zu den Zivilisationskrankheiten, die zu einem guten Teil auch durch einen falschen Lebensstil bedingt sind. Das bedeutet andererseits, dass jeder selbst sehr viel tun könnte, um sein Krebsrisiko zu vermindern: gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, weniger Übergewicht, Nichtrauchen, mäßig Alkohol. Eine Lebensstiländerung könnte viele Krebserkrankungen verhindern, doch das will niemand hören. Früherkennung wäre wichtig, ist aber auch nicht so einfach. Manche Methoden sind selbst nicht ohne Risiko und sogar unter Fachleuten umstritten. Schaden und Nutzen liegen oft nahe beieinander.
Krebs ist außerdem nicht gleich Krebs, und jeder Mensch ist anders. Daraus ergibt sich eine Komplexität, die der naturwissenschaftlichen Forschung bisher kaum zugänglich war. Die Pharmastudien sind meist auf einen fiktiven Durchschnittspatienten ausgerichtet. Aber auch hier gibt es Fortschritt: Individualisierte Medizin ist das neue Schlagwort. Die Hoffnung auf eine personalisierte Krebsmedizin sei zwar überzogen, wie der Krebsspezialist Wolf-Dieter Ludwig beim 30. Deutschen Krebskongress in Berlin feststellte, aber es wird möglich sein, nicht einzelne Patienten, aber immerhin einzelne Patientengruppen zu identifizieren, denen eine bestimmte Therapie voraussichtlich hilft. Möglich wird dies durch Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung, die auf neue, zielgerichtete Therapien hoffen lässt.
Trotzdem lassen sich hochkomplexe Probleme nicht auf einfache Weise lösen. Medikamente haben bei ihrer Zulassung umfangreiche Tests hinter sich, die hoffen lassen, dass sie wirksam und sicher sind. Allerdings müssen Studien mit Patienten durchgeführt werden, die möglichst keine anderen Erkrankungen haben. In der Praxis kommen diese Medikamente dann an Patienten zum Einsatz, die sehr oft Begleiterkrankungen haben und zusätzlich andere Medikamente nehmen müssen. Wie das neue Medikament in der Kombination mit diesen anderen wirkt, muss sich erst herausstellen. Immer wieder müssen Medikamente vom Markt genommen werden, weil sie – obwohl wissenschaftlich bestens geprüft – diesen Praxistest nicht bestehen.
Obwohl bei der Krebsentstehung die Gene gar keine so große Rolle spielen, sondern andere Einflüsse aus Umwelt und Innenwelt hinzukommen, steht am Ende doch ein Gendefekt. Künftig, so die Vorstellung der Experten, wird man bei Krebspatienten eine detaillierte Genomanalyse der Krebszellen vornehmen. Die Art der Gendefekte wird dann den Pharmazeuten Angriffspunkte für neue, gezielt wirkende Medikamente verschaffen. Dann könnte man schon im Voraus bestimmen, welche Medikamente bei welchen Patienten voraussichtlich wirken. Bisher werden viele Patienten mit Medikamenten behandelt, die bei ihnen gar nicht wirken. Die Hoffnung auf Wundermittel sollte man dennoch nicht nähren, denn auch auf diese neuen Therapien werden nicht alle Patienten ansprechen. Andererseits könnten sich Medikamente, die wegen Unwirksamkeit durchgefallen sind, im Nachhinein als wirksam bei einer bestimmten Gruppe von Patienten erweisen. So liegt jedenfalls die Hoffnung der Onkologen auf Medikamenten, die – wenn schon nicht individuell – so doch bei definierten Patientengruppen gezielt eingesetzt werden können.
Bisher konnte jedoch nicht erklärt werden, warum Massagen schmerzlindernd sind. Wissenschaftler aus Kanada haben nun herausgefunden, daß der Organismus während einer Massage Stoffe produziert, die wie Schmerzmittel entzündungshemmend auf die betreffenden Bereiche funktionieren. In der McMaster Universität in Ontario, arbeiteten Wissenschaftler fieberhaft daran, die Frage nach dem "wie" zu beantworten.
Arzneimittel werden zu Haufen produziert. Rund 633 Millionen Verpackungen wurden im letzten Jahr 2012 von Ärzten über die gesetzlichen Krankenkasse verschrieben. Damit haben knapp 70 Millionen Versicherte ein Rezept bekommen. Doch es kommt noch besser, unter den zugelassenden Arzneimitteln sind allein schon 37,9 Millionen für Tagesdosen an den Erkankten oder Arzneimittelkonsument gegangen - rund 1,5 Arzneimittel am Tag!
Immer mehr Bundesbürger nutzen die Angebote aus dem zweiten Gesundheitsmarkt, wie frei verkäufliche Medikamente, freiwillige Leistungen beim Arzt, alternative Medizin sowie Wellness- und Fitnessangebote. So belaufen sich die Ausgaben für privat finanzierte gesundheitsfördernde Produkte und Dienstleistungen mittlerweile auf 60 Milliarden Euro. Diese zunehmende Nachfrage sorgt dafür, dass verstärkt Arbeitskräfte benötigt werden, die sich professionell um die Organisation und das Management dieser Dienstleistungen kümmern.
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