Schmerzen



Schmerzen

Synonyme: Schmerzen,

Wie wird Schmerz definiert

Schmerz wird von der Internationalen Gesellschaft für Schmerzstudien als „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis (definiert), das mit tatsächlicher oder potenzieller Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache“. Schmerz kann ein akutes Warnsignal sein und damit auch einen positiven Aspekt haben. Zum Beispiel, wenn die Hand blitzschnell von der glühenden Herdplatte zurückgezogen wird. Dabei läuft die Nervenleitung über den Reflexbogen im Rückenmark, ohne dass das Gehirn „eingeschaltet“ wird, denn das würde zu lange dauern. Chronischer Schmerz hat dagegen diesen Warncharakter verlaufen.

Schmerzempfindung – ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren
Die Schmerzempfindung ist jedoch nicht nur von der Intensität der physiologischen Nervenreizung und der Weiterleitung ans Gehirn abhängig, sondern wird auch durch psychische und soziale Faktoren geprägt. So kann bereits eine Konditionierung das Schmerzempfinden steigern (die Angst vor zu erwartenden Schmerzen vor einer OP kann bereits Schmerzen auslösen). Schmerzen können aber auch wieder „verlernt“ werden durch Autogenes Training und andere Entspannungstechniken. In extremen Stresssituationen und selbst bei starken Verletzungen, z.B. im Schock nach einem Verkehrsunfall treten Schmerzen nicht sofort und zwangsläufig auf, sondern erst nach einer längeren Pause. Das hilft Panik und unkontrollierte Reaktionen zu vermeiden.

Die physiologische Nervenreizung und Schmerzweiterleitung

Man muss unterscheiden zwischen dem rein physiologischen Schmerz, der als Warnsignal an das Gehirn weitergeleitet wird und eine Gegenreaktion auslöst, und dem neuropathischen Schmerz, der auf Verletzungen oder Schädigungen des Nervengewebes selbst zurückzuführen ist. Ein physiologisch bedingter Schmerz kann durch Reizung der Schmerzrezeptoren, den sogenannten Nozirezeptoren, thermisch (eiskaltes Wasser, extreme Hitze), mechanisch (Verletzungen, stumpfen Schlag, Durchtrennung eines Gliedteilung) oder chemisch (Verätzungen durch Säuren oder Laugen) ausgelöst werden. Dann läuft eine sehr komplexe Kettenreaktion ab: Im Umfeld des geschädigten Gewebes werden Kalium-Ionen, Sauerstoffradikale, Adenosintriphosphat , Arachidonsäure und andere Stoffe freigesetzt. Die Arachidonsäure wird enzymatisch im Prostaglandin umgewandelt, andere Enzyme setzen das Bradykinin frei. Dies Bradykinin bewirkt zusammen mit dem Botenstoff Serotonin eine Erweiterung der Blutgefäße. Das kann zu einem Ödem führen, in dessen Bereich weiße Blutkörperchen, die Leukozyten, in den geschädigten Gewebebereich eindringen können. Im weiteren Verlauf kommt es durch Sensibiliserung der Nozireptoren zu einem neurogenen Reflex, der weitere, sogenannte schlafende Schmerzrezptoren in der Nachbarschaft des geschädigten Gewebes anregt und zu einer Verstärkung des Schmerzes und schließlich zu einer neurogenen Entzündung führt.

Es gibt Nervenfasern, die den Schmerzreiz schnell weiterleiten, die A-Delta-Fasern, und langsame C-Fasern. In den Membranen dieser Nervenbahnen gibt es eine Vielzahl vom Natrium-Ionenkanälen, die sich durch Anlagerung bestimmter Stoffe schließen oder öffnen und damit aktiviert werden. Man hat vor kurzem festgestellt, dass Kinder, die keinerlei schmerzempfinden haben, einen genetischen Defekt auf einen bestimmten Chromosom haben, der bewirkt, dass diese Ionenkanäle geschlossen bleiben.

Spannungskopfschmerz und Migräne

Kopfschmerzen treten zum größten Teil als Spannungskopfschmerzen im Stirn- und Nackenbereich auf. Ursache sind meist Muskelverspannungen zum Beispiel durch eine falsche Arbeitshaltung oder Sitzposition bei Schreibtisch- und Computerarbeiten. Auslöser von Migräne-Anfällen ist in erster Linie ein Serotonin-Mangel nach psychischem Stress, Schlafmangel, hormonelle Einflüsse. Migräne-Attacken beginnen mit einem einseitigen, pulsierenden Kopfschmerz, der sich - verbunden mit starker Lichtempfindlichkeit und Übelkeit - stufenweise über den ganzen Stirn- und Kopfbereich ausbreiten kann.

Muskelschmerzen und Wadenkrämpfe

Muskelschmerzen, sogenannte Myalgien, treten vor allem im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich auf verursacht durch Verspannung und Muskelkater. Bis vor kurzem nahm an, dass Mukselkater nach körperlicher Überanstrengung durch mangelnde Sauerstoffversorgung und Anreicherung von Milchsäure im Muskelgewebe verursacht wird. Seit kurzem weiß man, dass minimale Risse in den Muskelfasern Ursache für die Schmerzen sind und in der Regel wieder spontan ausheilen. Stechende Wadenkrämpfe treten dagegen nach Überanstrengung, Kältereiz oder Magnesiummangel sehr plötzlich vor allem in der Ruhephase, nachts im Schlaf auf, und lassen durch Dehnung des Wadenmuskels oder Einnahme magnesiumhaltiger Präparate nach.

Phantomschmerzen

Nach Amputationen treten mitunter Phantomschmerzen, die der Patient im eigentlich amputierten Glied lokalisiert. Die Ursache ist bis heute unbekannt. Amputationsschmerzen können natürlich auch am Amputationsstumpf auftreten und haben stets einen realen Hintergrund: Infektionen, Blutergüsse, Wundschmerzen oder eine scheuernde Prothese.

Tumorschmerzen

Tumorschmerzen können zum einen durch den wachsenden Tumor selbst entstehen oder durch die Nebenwirkungen der Tumorbehandlung verursacht werden. Es kann zu plötzlich und sehr heftig auftretenden akuten oder lang andauernden chronischen Schmerzen kommen.

Trigeminusschmerzen

Der Trigeminusnerv teilt sich in drei Verzweigungen auf und innerviert den Kieferbereich, Nase und Stirn. Tritt in einem dieser Bereiche Druck auf, der die Nervenschäden schädigt, so kann es nicht nur an dieser Stelle, sondern auch an anderen beiden Bereichen zu Schmerzen kommen. Jeder kennt dies Phänomen, Zahnschmerzen können einen Druck im Bereich der Stirnhöhle, der Wangenknochen oder unter halb der Ohren auslösen und umgekehrt.

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