Angststörungen

Synonyme
Unter einer Angststörung versteht man ein übermäßig gesteigertes Angstempfinden in ungefährlichen Situationen, beziehungsweise vor ungefährlichen Objekten. Angst als „Warnsignal“ ist in jedem Menschen verankert und in den meisten Fällen auch ein verlässlicher Instinkt, da sie auf mögliche Gefahren hinweist. Leidet man an einer Angststörung ist dieses Angstempfinden gestört, das heißt man empfindet auch in Situationen oder vor Objekten, die normalerweise keine Angst auslösen, ein übersteigertes Angstgefühl. In der Regel führen Angststörungen zu einer sozialen Isolation, da der Betroffene die triggernden (engl. trigger: auslösen) Situationen oder Objekte meidet, was eine starke Einschränkung des Alltags mit einschließt.
zum Thema
Um Angst als krankhaft zu bezeichnen zu können müssen mehrere Gegebenheiten auftreten: 1. Die Angst ist übermäßig stark 2. Je größer der Zeitraum, desto häufiger treten Angstzustände auf, ebenso verlängert sich die Dauer derselben 3. Der Betroffene ist nicht in der Lage seine Angst ohne Hilfe zu überwinden 4. Kein aktueller Lebenszustand kann das übersteigerte Angstempfinden erklären
Man unterscheidet prinzipiell zwei Arten von Angststörungen: Gerichtete und ungerichtete Ängste. Bei ersterer handelt es sich um eine Angststörung, bei der der Auslöser bekannt ist, heißt, dass die Angst auf eine bestimmte Situation oder auf ein bestimmtes Objekt gerichtet ist. Darunter fallen die soziale Phobie, die spezifische Phobie und die Agoraphobie. Die soziale Phobie beinhaltet die Angst vor Situationen, in denen der Betroffene von anderen Menschen bewertet oder beurteilt wird, da diese ein sehr geringes Selbstwertgefühl besitzen und zudem sehr große Angst vor Kritik empfinden. Verschlimmernd kommt hinzu, dass die Betroffenen einen Negativitätsbias aufweisen, was bedeutet, dass selbst neutrale Gesten Anderer als negative Kritik aufgefasst werden. Von einer speziellen Phobie spricht man, wenn sich Ängste auf einen bestimmten Gegenstand oder bestimmte Tiere beziehen (auch hier muss die Angstreaktion unangemessen sein um von einer Phobie sprechen zu können): Darunter fallen z.B. die Angst vor Spinnen, die Höhenangst, die Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen). Der speziellen Phobie ist im Grunde keine Grenze gesetzt, da nahezu jeder Gegenstand oder jedes Tier ein Auslöser sein kann. Die Agoraphobie tritt auf, wenn man sich außerhalb des gewohnten Umfelds befindet. Agora ist griechisch und bedeutet so viel wie: Platz öffentlicher Zusammenkunft. Die im Volksmund genannte „Platzangst“ ist also nicht die Angst vor zu wenig Platz, sondern viel mehr vor weiten, öffentlichen Orten an denen sich viele Menschen aufhalten.
Bei den ungerichteten Ängsten handelt es sich um Ängste, die –wie der Name bereits sagt- ungerichtet sind, also kein spezifischer Auslöser erkennbar ist. Darunter fällt die Panikstörung, bei welcher unerwartet Panikanfälle (Panikattacken) auftreten, die von (teilweise) extremen körperlichen Beschwerden wie Herzrasen, Schmerzen, Schwindel oder Übelkeit begleitet werden. Aber auch die generalisierte Angststörung gehört zu den ungerichteten Ängsten. Hierbei macht sich der Betroffene über einen langen Zeitraum übermäßige Sorgen, die jeden Teilbereich des Lebens betreffen können. Begleiterscheinungen der generalisierten Angststörung sind z.B. Ruhelosigkeit, Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten.
Die genauen Ursachen, die eine Angststörung bedingen, sind nicht endgültig erforscht, dennoch gibt es mehrere Theorien, die die Entstehung erklären.
Die lerntheoretische Erklärung besagt, dass die Angststörung in einem mehrstufigen Prozess „erlernt“ wird und durch das Meiden der angstauslösenden Situation die Angst aufrecht erhalten wird. Weiterhin werden neurobiologische Aspekte hinzugezogen. Überlegungen hierzu sind, dass bei Betroffenen ein übererregbares autonomes Nervensystem vorliegt, welches leichter gereizt werden kann, was zu der schnelleren Entstehung von Angstsymptomen führt. Auch einige Hirnregionen könnten bei der Entstehung von Angststörungen eine Rolle spielen. Das psychoanalytische Modell geht davon aus, dass Betroffene in ihrer Kindheit nicht gelernt haben Konflikte durch Kompromissbildung zu lösen und deshalb oft mit Überforderung reagieren. Bei der Konfrontation mit Konflikten würden dann die frühkindlichen Ängste wieder aufbrechen.
Die Behandlung von Angststörungen beruht auf zwei Säulen: der medikamentösen - und der Psychotherapie. Bei ersterem spielen vor allem Antidepressive eine große Rolle, da sie die Strukturen im Gehirn zu Gunsten des Betroffenen beeinflussen können. Weiterhin werden Beruhigungsmittel eingesetzt, sogenannte Benzodiazepine, deren Einsatz aufgrund des hohen Suchtpotentials aber limitiert ist. Die Psychotherapie basiert auf der Verhaltenstherapie, bei welcher – wie der Name indiziert- das Verhalten im Vordergrund steht. Dysfunktionale Verhaltensweisen sollen erkannt und langfristig in funktionales Verhalten überführt werden. Ein Verfahren steht bei der Behandlung von Angststörungen besonders im Vordergrund, die sogenannte Angstexposition. Bei dieser Übung wird der Betroffene mit seiner Angst konfrontiert, beziehungsweise mit der Situation, dem Gegenstand oder dem Tier, und muss solange ausharren bis die körperlichen Symptome abklingen, da der Körper nur eine begrenzte Zeit in der Lage ist diese intensiven Symptome aufrecht zu erhalten. Weiterhin lernt und erlebt der Betroffene, dass die befürchteten katastrophalen Konsequenzen ausbleiben, dass die Situation nicht bedrohlich ist und/oder er in der Lage ist (dennoch) mit der Situation umzugehen. Das führt dazu, dass eine Vermeidung nicht mehr von Nöten ist und der Lebensalltag wieder aufgenommen, beziehungsweise bewältigt werden kann.
im Lexikon zu finden als Thema: Angststörungen,

Physiotherapie


